Kriminalpolizei ermittelt in Gunsleben
Großbrand in Schweineställen
Von Heinz Ruhnke
(Volksstimme 07.01.1995)
Gunsleben. Als Frank Rössing am gestrigen Morgen gegen 3 Uhr die an der Gunslebener Hauptstraße liegende Wohnung zum Melken seines Kuhbestandes verlassen wollte, traute er seinen Augen nicht: Die Ställe der gegenüberliegenden ehemaligen Sauenanlage standen in Flammen. Sofort löste er Alarm aus.
In Sommersdorf erreichte den stellvertretenden Kreisbrandmeister Peter Müller und in Wulferstedt den Unterabschnittsleiter Klaus Brinkmann kurz darauf die Schreckensnachricht. Es bestand die akute Gefahr, dass bei etwa drehendem Wind die anliegenden Wohnhäuser in Brand geraten könnten. So rückten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Wulferstedt, Neuwegersleben und Hamersleben unverzüglich an.
Was sie vorfanden, waren alle sechs voll in Flammen stehenden Schweineställe, die zudem noch
bis unter die Dächer mit Stroh vollgestopft waren. Bei Minus 15 Grad galt es, die Wasserversorgung schnellstens für die Löscharbeiten zu garantieren. Bei eisigem Wind aus östlichen Richtungen
gelang das auch. Dann sorgten die 20 Feuerwehrleute dafür, dass alle angrenzenden Wohnhäuser gegen den Funkenflug und ein Übergreifen der Brände gesichert wurden. Dafür sorgte zum großen Glück
für Gunsleben auch der eisige Ostwind, der die Flammen in Richtung freie Feldflächen trieb. Gefährdet wurden die Kameraden der Feuerwehren unter anderem durch die platzenden Asbestdächer, deren
Teile als scharfe Splitter durch die Gegend flogen. Zum Glück wurde niemand verletzt.
Im Gespräch mit den Einsatzleitern, den Kameraden Müller und Brinkmann, sowie dem Leiter des
Ordnungsamtes der Verwaltungsgemeinschaft Hamersleben, Herbert Apel, wurde herzlicher Dank ausgesprochen, so den Kameraden der benachbarten Feuerwehren, für ihren schnellen Einsatz, den
Mitarbeitern der EVM, die unverzüglich das Objekt von der Stromversorgung trennten, sowie an den Inhaber der Gaststätte "Dorfkrug", Bruns, der nach dem Alarm sofort öffnete und die Einsatzkräfte
betreute und versorgte.
Zum Entstehen des ersten Großbrandes im Bördekreis im neuen Jahr ermittelt die
Kriminalpolizei. Wie gesagt, die Gunslebener hatten dabei Glück im Unglück. Es hätte schlimm ausgehen können.
Bis unter das Dach waren die Ställe mit Stroh gefüllt. Das brannte lichterloh. Wachen hatten auch nach dem Löschen die qualmenden Massen unter Kontrolle.
Für die angrenzenden Wohnhäuser der Hauptstraße in Gunsteben bestand große Gefahr. Ein drehender Wind auf West hätte verheerende Folgen gehabt.
Über eine Gemeinde im tiefsten Landkreis
Dorf hat die Wirren der Wende überwunden
Von Heinz Ruhnke
(Volksstimme vom 31.07.1993)
Gunsleben. Immerhin ist der kleine Ort Gunsleben im Großen Bruch ganze 125 Jahre älter als Berlin. Die heute 349 Einwohner feierten nämlich im September des Jahres 1987 ihr 875jähriges Bestehen, während es die Berliner damals gerade auf 700 Jahre gebracht hatten. Man erinnere sich. Da wir gerade beim Vergangenen sind, sei nicht vergessen, dass in Gunsleben im Jahre 1737 Samuel David Ludwig Henne geboren wurde, der um 1770 hier das erste deutsche Buch schrieb, das sich gründlichst mit der Anlage und Pflege von Obstbaumschulen beschäftigte und in sechzehn Jahren fünf Auflagen erreichte. Er selbst betrieb zwischen Gunsleben und Hamersleben eine Baumschule mit 15 000 Stämmchen. Dabei gelang ihm auch die Zucht von großen Haselnüssen, die später Weltgeltung erreichten. Henne war Pastor zu Hamersleben und Gunsleben im Fürstentum Halberstadt, wie aus dem Kirchenbuch und der Chronik von Gunsleben hervorgeht.
Doch zurück ins Heute. Die im Großen Bruch liegende Gemeinde, manche sagen, sie läge am tiefsten im Landkreis Oschersleben, hat nach den anfänglichen Wirren der Wende wieder zu sich gefunden. So bediente am 20. Juli 1993 Sieglinde Rahn im neueröffneten Frisörsalon an der Hauptstraße ihre erste Kundin, Irmgard Schmidtke. Klaus Albrecht, einst im LPG-Stützpunkt für Landmaschinen zuständig, hat sich mit seiner Metallbauwerkstatt, Schmiede und dem Sanitärbau selbständig gemacht. Veit und Frank Rössing widmen sich als Wiedereinrichter der Landwirtschaft. Der Vater, Siegfried, unterstützt die Söhne tatkräftig und ist außerdem als ehrenamtlicher Bürgermeister „im Amt". Gunsleben gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Hamersleben.
Nicht vergessen darf man die von Evelyn Kasper eingerichtete Verkaufsstelle für Lebensmittel und viel andere auf dem Dorfe gefragte Waren, die sich in der ehemaligen Post befindet. Ein Segen für viele ältere Bürger, die das immer wieder betonten. Ja und dort, wo früher „Tante Junge" ihre Gastwirtschaft hatte und später dann der „Prinz" Achim Roland als Gastwirt residierte, aber aus gesundheitlichen Gründen schließen musste, richtet sich jetzt ein neuer Wirt aus Halberstadt ein. Der Eröffnungstermin steht zwar noch nicht fest, aber zu hören ist bereits davon, dass auch ein Küchenbetrieb anvisiert wird.
Da muss natürlich auch das im Park liegende Schloss mit seinem Wappen aus dem Jahre 1754 erwähnt werden und der 1891 erfolgte Anbau des Westflügels. Es wird bewohnt von drei Familien. Doch die so schöne Kindertagesstätte (einst Kindergarten und Krippe) im Schloss wurde geschlossen. Gunslebener Kinder „reisen" jetzt nach Wackersleben in eine um- und ausgebaute Kinderkombination.
Auch heute machen wieder Leute in Gunsleben von sich reden. Dietmar Buchholz, Lehrer am Oscherslebener Gymnasium, erhielt den Umweltpreis 1993 des Landkreises Oschersleben (Volksstimme berichtete) und Fritz Uehr ist unermüdlich trotz seiner gesundheitlichen Probleme als Naturschutzbeauftragter des Landkreises und als Vorstandsmitglied der Vereinigung „Stiftung Umwelt und Naturschutz Großes Bruch" e. V. tätig.
Was weniger gefallen kann ist der Bahnhof in Gunsleben, der langsam mit den dort abgestellten Güterwagen im Unkraut versinkt, denn kein Zug fährt mehr seit dem 30. Mai 1992. Und die
zentrale Mülldeponie hat zwar den Ort über den Landkreis hinaus bekannt - aber nicht beliebter gemacht, was die Einwohner betrifft.
Wer sich Gunsleben von Wackersleben her nähert, erblickt von weitem die fast 200 Jahre alte evangelische Dorfkirche mit ihrem leuchtend roten Dach, die aus der flachen Bördelandschaft ragt. Ein
Bild, das beeindruckt und manches von dem beschwichtigt, das in dem kleinen Bördedorf heute die Menschen bewegt und wovon noch viel zu sagen wäre.
Sehenswertes
Das im unter Naturschutz stehenden Park befindliche Schloss mit dem Wappen von 1754 und der im Jahres 1891 erfolgte Anbau des Westflügels. Die evangelische Dorfkirche, erbaut von 1795 bis 1797.
Lobenswertes
Am 17. Juli 1993 eröffnete Sieglinde Rahn an der Gunslebener Hauptstraße ein eigenes Frisörgeschäft.
Ärgerliches
Die neue Bushaltestelle in der Ortsmitte mit Wartehäuschen und Bahnsteig würde bis 27. Juli auch vom Schienenersatzverkehr (Bus) nach langen Briefwechseln angefahren. Nunmehr hat die Reichsbahn ab diesem Termin schon wieder die Einstellung des Verkehrs angekündigt, da angeblich nur am Bahnhof ein sicheres Ein- und Aussteigen mögich sei. Das Gegenteil ist aber der Fall.
Erbauliches
Gunsleben erhält seit 1991 Fördermittel aus der Dorferneuerung. Viele Bürger konnten so ihre Häuser rekonstruieren. Die Gemeinde hat aus dem Fördertopf unter anderem die neue Bushaltestelle mit finanziert. Eine weitere Förderung ist für den Bau eines Parkplatzes am Friedhof die Gestaltung des historischen Platzes an der Eiche, die Neuinstallation der Straßenbeleuchtung am westlichen Dorfende (Bahnhof) sowie die Rekonstruktion eines größeren Wohnhauses beantragt. Die Sanierung des Dorfteiches für 1994 ist angedacht.
Sportliches
Im Tischtennis gibt es drei Mannschaften, aber ob sie den Wettkampfbetrieb wegen der Spielerabgänge überdauern? Seit 1989 besteht eine Volkssportgruppe im Volleyball, die regelmäßig mittwochs in Wackersleben mit Neuwegerslebenern und Wackerslebener trainiert.
Gutes Trinkwasser, aber die Kehrseite....
Von Heinz Ruhnke
(Volksstimme, Mai 1992)
Gunsleben. Die Gemeinde Gunsleben wurde am 5. Juni 1992 an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen. Dass nur ganze vier Personen beim symbolischen Aufdrehen des Wasserhahnes zugegen waren, mag zufällig gewesen sein. Darin kann sich aber auch eine immense Bürgerverärgerung äußern, die eben mit jenem Trinkwasserleitungsbau im Zusammenhang steht und sozusagen die Kehrseite der Medaille verkörpert. Diese wurde nicht nur durch die Höhe der Anschlussgebühr von 3 000 DM pro Grundstück ausgelöst, sondern auch die Art und Weise ihres Zustandekommens. Herr Spatzker aus Magdeburg findet dazu in einem Beitrag des Oschersleber Tageblatts die Höhe dieser Anschlussgebühr für gerechtfertigt und setzt sie einfach in Relation zur Gesamthöhe des von der Gemeinde Gunsleben für den Wasserleitungsbau aufgenommenenen Kredits von zirka 1,2 Millionen DM. Was aber im Bericht nicht zum Ausdruck kommt, ist die katastrophale wirtschaftliche Lage Gunslebens. Immerhin sind von gegenwärtig 338 Einwohnern zirka 50 Prozent Altersrentner und Vorruheständler, die Arbeitslosenquote liegt bei annähernd 30 Prozent.
Darum wäre es in Kenntnis dieser Situation mehr als angebracht gewesen, seitens der verantwortlichen Kommunalpolitiker unbedingt sozialpolitsches Fingerspitzengefühl zu beweisen. Schließlich war vorauszusehen, dass mit dem durchaus begrüßenswerten Anschluss Gunslebens an das Trinkwasserversorgungsnetz für jeden einzelnen Bewohner - gleich ob Grundstückseigentümer oder Mieter - auch finanzielle Belastungen entstehen würden. Diese hätten auf einer vorbereitenden Einwohnerversammlung dargelegt, geklärt und begründet werden können. Sicherlich wäre es auch zweckmäßig gewesen, wenn die verantwortlichen Stellen Fördermittel vom Bund oder vom Land beantragt hätten, wie es zum Beispiel der Bürgermeister von Wackersleben für seine Gemeinde tat, um ein gleichartiges Bauvorhaben zu finanzieren und die finanziellen Belastungen so gering wie möglich zu halten.
Im stillen Kämmerlein
Ein derartiger Antrag hätte zum damaligen Zeitpunkt im Kompetenzbereich der Gemeindevertretung und Leitung von Michael Koch, seinerzeit noch Bürgermeister von Gunsleben, gelegen. Jedoch nichts dergleichen geschah! Unter Ausschluß der Öffentlichkeit beschloss die Gemeindevertretung, nun von Fritz Uehr als Bürgermeister geführt, einer Anschlussgebühr zwischen 2 000 und 3 000 DM pro Grundstück zuzustimmen, die später auf 3 000 DM fixiert wurde. Ausnahmen für eine Halbierung dieser Summe wurden genehmigt.
Dieser Beschluss der Gemeindevertretung hatte Folgen, legte er doch unwiderruflich fest, dass die Anschlussgebühr in der veranlagten Höhe unter Zugrundelegung einer Wasserabnahmepflicht im Interesse des Gemeinwohls zu entrichten sei.
Aufgebrachte Bürger
Als dann im April die Gemeindevertretung turnusgemäß tagte, fanden sich 78 aufgebrachte Bürger Gunslebens ein, um entsprechend der veröffentlichten Tagesordnung von ihrem Recht Gebrauch zu machen, Fragen und Anträge an die Volksvertreter zu stellten. Sicher, in der Erregung waren nicht alle Beiträge sachlich, aber der aufgestaute Unmut der Bürger entlud sich vehement und durchaus verständlich. Erwirkt wurde ein Zahlungsaufschub bis zum 1. Juni 1992 und die Möglichkeit, den Betrag von 3 000 DM je nach finanziellen Möglichkeiten auf Antrag ratenweise bezahlen zu können.
Im Gefolge dieser Gemeindevertretersitzung kam es auf Initiative von Günter Meier (CDU) zu einer erneuten und wieder gut besuchten Einwohnerversammlung, auf der sich die Herren Werner (CDU-Landtagsabgeordneter), Walker (CDU-Kreisvorstand Oschersleben) und Hohmann (Landratsamt Oschersleben) vom Unmut der Bürger, nicht ausschließlich die Kostenhöhe betreffend, überzeugen konnten.Geholfen hat auch diese Versammlung nicht mehr.
So viele Fragen
So blieb trotz des an sich erfreulichen Anschlusses Gunslebens an die 'Trinkwasserversorgung nicht nur ein schaler Beigeschmack, sondern auch ein Komplex unbeantworteter Bürgerfragen. Er resultiert aus dem Gehabe jener verantwortlichen Kommunalpolitiker, die nicht alle Möglichkeiten hinsichtlich einer günstigeren Finanzierung ausschöpften und infolge gravierender Verfahrensfehler sich den Unmut der Bürger zuzogen und deren Vertrauen teilweise leichtfertig verspielten.
Was ist geblieben?
Geblieben sind für alle Bürger Gunslebens hohe finanzielle Belastungen, die vor allem ältere und alleinstehende Bürger zur Kreditaufnahme zwangen, um die Anschlussgebühren, die im Landkreis Oschersleben in ihrer Höhe einsames Spitzenniveau verkörpern, überhaupt bezahlen zu können.
Geblieben ist die Furcht vor weiteren finanziellen Belastungen, die aus dem Bau der Abwas-serentsorgung, hier in etwa 3 500 DM pro Grundstück, und der Sanierung des Straßennetzes, mit 60 bis 80 prozentiger Kostenumlage auf die Bürger, resultieren werden.
Geblieben ist auch das allgemeine Zaudern, im Zuge der Dorferneuerung öffentliche Mittel, im günstigsten Fall bis zu 50 Prozent der Kosten, für Verschönerungen beziehungsweise Renovierung der Grundstücke und damit des Ortsbildes in Anspruch zu nehmen. Diese Mittel wurden angesichts weiterer zu erwartender Belastungen von den Hauseigentümern im laufenden Jahr kaum genutzt. Damit wird die Dorferneuerung zur Farce. Außerdem schließen Konsum und Post.
Ein Dorf auf dem Wege zum Mekka für Müll und Fäkalien
Man fragt: „Quo vadis, Gunsleben?"
Von Heinz Ruhnke
(Volksstimme vom 25.06.1992).
Gunsleben. Die Einwohner dieser Gemeinde stellen im Hinblick auf die Zukunft des kleinen Dorfes zur Zeit viele Fragen: Dietmar Buchholz hat einige davon aufgelistet und möchte sie in aller Öffentlichkeit gestellt wissen
Die Einwohner dieser Gemeinde stellen im Hinblick auf die Zukunft des kleinen Dorfes zur Zeit viele Fragen: Dietmar Buchholz hat einige davon aufgelistet und möchte sie in aller Öffentlichkeit gestellt wissen:
Geblieben ist die Frage, warum die Gemeinde bisher keinen Pfennig Gewinn aus dem Betreiben der Kreismülldeponie bezogen hat, für die sie jedoch das Gelände zur Verfügung stellte.
Geblieben ist die Frage, wie nach der abzusehenden Schließung der Mülldeponie eine ökologische Grundsanierung hinsichtlich einer sinnvollen und vor allem dauerhaften umweltverträglichen
Rekultivierung erfolgen soll.
Geblieben ist auch die Frage, waruam ein herrlich in einem Park gelegener Kindergarten, erst kürzlich wieder kostenaufwendig modernisiert, unter den gegenwärtig erschwerten Bedingungen für
Kindertagesstätten nach entsprechenden Festlegungen mit den Nachbargemeinden nicht auch von diesen mit genutzt werden kann, sondern zum 31. Dezember 1992 geschlossen werden soll.
Und schließlich blieb die Frage, ob Gunsleben neben der zentralen Mülldeponie unbedingt noch eine große Kläranlage für mehrere Ortschaften verkraften muss. Gunsleben - das Mekka für den Kreismüll
und die Kreisfäkalien.
An und für sich reicht es - eine stillgelegte Bahnlinie und dafür zeitaufwendiger Kreistourismus per Schienenersatzverkehr; eine bald schließende Poststelle und dafür die Aussicht, einmal
wöchentlich Briefmarken und Postkarten im ambulanten Posthandel erwerben zu können; eine auch schon zum Tode verurteilte Konsumverkaufsstelle und dafür die Möglichkeit, durch teure ambulante
Händler mit dem Allernotwendigsten versorgt zu werden - quo vadis, Gunsleben?
Sicher - Gunsleben hat einen wundervoll gelegenen und liebevoll gepflegten Friedhof mit einer erst unlängst neu eingedeckten Halle für Trauerfeierlichkeiten. Aber darin allein kann sich
Lebensqualität oder das, was immer man auch darunter verstehen will, ja wohl nicht äußern.
Übrigens: 670 Millionen DM wurden in Sachsen-Anhalt am falschen Platz ausgegeben, wie vom Landesrechnungshof ermittelt wurde. Gunsleben wäre mit 1,2 Millionen DM sicher ein richtiger Platz
gewesen.
Eisenbahnverkehr auf der Strecke nach Gunsleben eingestellt
Echte Wehmut bei den letzten Zugfahrten
Von Heinz Ruhnke
(Volksstimme, Juni 1992)
Gunsleben. Am vergangenen Sonnabend, den 30. Mai 1992, hob die Aufsicht auf dem Bahnhof Oschersleben um 18.18 Uhr zum letzten Mal die rote Kelle, um dem Personenzug in Richtung Neuwegersleben/Gunsleben die Abfahrt anzuzeigen. Eine Diesellok und ein Personenzugwagen, schon lange der Rest eines einst stattlichen Wagentraktes, rollten wie immer langsam und bedächtig aus der Kreisstadt in das Große Bruch hinaus. Soviel Reisende wie lange nicht mehr, waren jedoch zur vorletzten Fahrt am Sonnabendmittag erschienen. Die Eisenbahner hatten nämlich eine Dampflok der 50er Baureihe vorgespannt.
In Neuwegersleben stiegen weitere Fahrgäste zu, und in Gunsleben erwarteten
bereits eine Menge Fotografen diesen ungewöhnlich besetzten Personenzug. Auch an der letzten Fahrt am Sonnabendabend haben Oscherslebener Bürger und
viele junge Leute aus Neuwegersleben teilgenommen. Da "schmückte" die Diesellok mit Lokführer Meißner der wahre und sinnige Spruch "Schiene ade - Straße o weh!"
Die Eisenbahnstrecke, schon seit Jahrzehnten in immer größeren Abschnitten mit Langsamfahrstellen versehen, wurde zu einer Geduldsprobe für die Reisenden und für das Personal. An manchen Stellen ging es nur noch mit 10 Stundenkilometer voran.
Und das witzige Wort vom Blumenpflücken während der Fahrt, es war schon fast
Realität.
Die Fahrtzeit wurde immer länger, Fahrgäste immer weniger. Ganze 134 DM hatte Helmut Schlegel an der Fahrkartenausgabe in Gunsleben im vergangenen Monat gerade noch
eingenommen.
Ein wenig Hoffnung kam auf, als nach der Wende eine Fahrraddemonstration nach Jerxheim und weitere Aktivitäten für den Erhalt dieser Strecke und ihren Ausbau
erfolgten. Doch Reichsbahn und Bundesbahn fanden bisher keine Wege, um sich auf dem besagten Schienenstrang zusammenzufinden und zu vereinen. Und so torkelte der Rest eines Zügleins am 30. Mai
1992 letztmalig durch das Große Bruch. Die Signale der Lok vor den unbeschrankten Bahnübergängen langen fast wehmütig, hallten wie immer in der weiten
Landschaft nach.
Mit Wehmut denken viele Einwohner der Orte an der Bahnstrecke an den Wegfall
der vertrauten Signale des Zuges. Dazu kommen für die Gunslebener nach der Schließung der Strecke auch das Aus des Dorfkonsums und der Poststelle. Viele sehen außerdem mit unguten Gefühlen auf
das künftige zentrale Klärwerk hinter Gunsleben in Richtung Wackersleben.
.Der 150. Geburtstag der Eisenbahnstrecke im nächsten Jahr jedenfalls ist nicht mehr zu feiern. Mit Wehmut denken viele Eisenbahner und Bürger daran, dass wieder einmal die Straße die Schiene besiegt hat. Die vielen Fahrgäste und Besucher zu den letzten Fahrten haben sich längst verlaufen, die Bahnhöfe in Gunsleben und Neuwegersleben sind geschlossen. Es wird noch stiller werden im Großen Bruch.
Gunslebener Schloss war Prunkbau
Von Fritz Uehr (Volksstimme 1992)
Gunsleben. Wie man auf einem Anfang des Jahrhunderts angefertigten Gemälde erkennen kann, muss das Schloss in Gunsleben einmal ein Prunkbau gewesen sein. Das Schloss war im Besitz der Adelsfamilie von der Asseburg, die seit 1453 als Grundbesitzer in Gunsleben ansässig waren. Dem alten errenhaus stellte Maximilian von der Asseburg 1891 ostwärts ein neues Herrenhaus im neugotiscHhen Villenstil zur Seite, ebenfalls eingeschossig, aber stattlicher und höher als das alte.
In der Fachliteratur heißt es: "... in der lebhaften Gruppierung der Bauteile und mit dem steinernen Kreuzstockfenstern als Herrensitz französischer Prävenienz erwiesen. Gegen den Barockbau (von
1754) setzt es sich durch ein Querhaus mit steilem Walmdach und einem neugotischen Erker ab, während es gegen den Park einen spitzbehelmten runden Eckturm ausstreckt."
Heute sind die meisten Räume des Schlosses leer, natürlich sind die Jahre nicht spurlos vorüber-gegangen. Aber eine sinnvolle Nutzung wäre sicher auch im Interesse unserer Gemeinde. So macht der
Park des Schlosses seit 1991 durch AB-Maßnahmen wieder einen ordentlichen Eindruck. Kleine Teppiche von Buschwindröschen kamen in diesem Frühjahr zur Wirkung, ähnlich des Hohen Holzes, da mehr
Licht durch die Laubgehölze fällt. Neben den überwiegend weißen Anemonen findet der botanische Interessierte auch die seltener gelbblühende Art des Buschwindröschens. Bei den Laubgehölzen
überwiegt der Ahorn, daneben Buchen, Silberpappeln, Kastanien und einige Nadelhölzer, zum Beispiele drei herrliche alte Schwarzkiefern.
Maskierter Täter kam mit Pistole
Volksstimme 1991
Gunsleben (mü.). Zu einem versuchten Überfall auf die Zweigstelle der Sparkasse kam es am Dienstag in Gunsleben. Dabei verschaffte sich ein mit Mütze und Tuch maskierter Täter und vorgehaltener Pistole Zugang zu der Filiale. Wie die sich in der Sparkasse befindliche Angestellte der Bank erklärte, habe sie angenommen, dass es sich bei der Person um ihren Ehemann handele, der sie von der Arbeit abholen wollte. Die Sparkasse hatte seit 17 Uhr geschlossen. Der maskierte Täter forderte von der Angestellten die Herausgabe von größeren Mengen an Bargeld. Die Frau machte dem Räuber klar, dass sich im Tresor der Sparkasse nur wenig Geld befinde. Außerdem rief sie ihm zu, dass sie wegen der Aufregung gleich einen Herzanfall erleiden würde. Daraufhin ließ der Maskierte von seinem Vorhaben ab und verließ ohne Beute fluchtartig die Sparkasse. Er sprang in ein vor der Bank wartendes Fahrzeug, dass von einem Komplizen geführt wurde. Mit hoher Geschwindigkeit verließen die Täter den Ort in Richtung Wackersleben. Kurz nach dem versuchten Überfall nahmen Beamte der Polizei die Ermittlungen auf. Wie gestern von der Polizei zu erfahren war, gebe es deutliche Hinweise auf das Tatfahrzeug der Bankräuber, was einen möglichen Erfolg in der Fahndung bedeuten könnte.
