Gunsleber Geschichten

Hier soll Wissenswertes und Interessantes veröffentlicht werden. Vor allem lustige, aber auch ernste Begebenheiten aus Gunsleben. Wir beginnen mit Peter Gehlmanns Kindheitserinnerungen und der fiktiven Postbotengeschichte von Dieter Pfusch.

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Erinnerungen an meine Kindheit

von Peter Gehlmann

Viele, viele Jahre – fast schon zu viele – hat für mich mein alter Heimatort in meinem Herzen und auch in meinem Sinn kaum noch eine Rolle gespielt. Dann wurde ich im Sommer 2010 zum 50-jährigen Jubiläum des Sportvereins eingeladen – das war für mich mehr als nur ein bisschen beeindruckend. Und die dortigen Gespräche haben mich in meiner Absicht bestärkt, meine Kinder- und Jugendjahre in Gunsleben einmal in Worte zu fassen, zumal im Jahr 2012 das 900-jährige  Dorfjubiläum ins Haus stand..



Der Postbote
von Dieter Pfusch

 

Er spricht ein sehr gutes Deutsch, beinahe ein richtiges Beamtendeutsch. Aber er ist kein Beamter, er ist Angestellter. In dieser Republik gibt es keine Beamten. Anstellen wird aber großgeschrieben, das weiß ein jeder: Beim Bäcker, beim Fleischer, beim – nein, beim Theater nicht. Das gibt es in dem Ort nicht, in dem Ernst Horneffer lebt und arbeitet. 


Als in der Sandkuhle gekickt wurde

Von Thomas Wartmann 

In Gunsleben gab es einmal einen Fußballplatz. Wer jetzt durch das idyllische Dorf fährt und von Neuwegersleben kommend an der abgedeckten Mülldeponie vorbeifährt, wird nie darauf kommen, dass genau hier einmal Fußball gespielt wurde. Aber das wurde es. Wie an vielen anderen Orten unserer Region auch. Davon wissen aber nur noch die Alten, die damals mitgespielt haben oder als Kinder am Spielfeldrand saßen. In Gunsleben wurde der Platz 1937 angelegt. In der alten Sandkuhle marschierten die Männer vom Reichsarbeitsdienst ein. Die hatten an der Chaussee nach Wackersleben ein großes Lager und zogen mit dem Spaten auf der Schulter zur Arbeit. Schon nach kurzer Zeit hatten sie einen Platz angelegt.



Ein Alltag in Gunsleben

von Erika Raudszus (geb. Buchholz)

 „Rrrrrrrr……!“ Mit diesen lieblichen Lauten beginnt wohl für die meisten Menschen des Tages Last und Mühe – teils früher, teils später. Wer wie ich jeden Morgen auf den Zug um 6 Uhr angewiesen ist, muss jetzt im Winter schon bei Mond- und Sternenschein sein warmes Nest verlassen. Und wenn er dann durch das noch ruhig schlummernde Dorf geht, denkt er mit einem Neidgefühl an die, die jetzt noch in süßen Träumen liegen können. Aber so ruhig, wie es scheint, sind die Straßen gar nicht mehr. 



Kellergeschichten

von Dieter Pfusch

 

Seit 45 Jahren bin ich nun schon Berliner. Was mir aber fehlt, was mir wirklich fehlt, ist ein Keller, ein richtiger Keller, wie ich ihn aus meinem Elternhaus kenne. Nicht etwa, um mich, wie 1944/45 vor der Bombenlast hochfliegender Bomber in Sicherheit zu bringen, nein, denn solche Zeiten sind in Deutschland längst vorbei und kehren hoffentlich niemals wieder. Ich sehne mich nach dem Keller meiner Eltern, weil er eine wahre Schatzkammer war, selbst im letzten Jahr des letzten großen Krieges 



Von Gunsleben um die Welt

von Jens-Holm Bruns

Ich wollte schon immer auf einem großen Schiff um die Welt fahren. Wann es mit diesem, für einen Dorfjungen, der in Gunsleben am Großen Bruch geboren wurde und seine Kindheit dort verbrachte, ungewöhnlichen Wunsch begann, kann ich heute nicht mehr sagen. Es muss jedenfalls sehr früh gewesen sein. 



Wir sind Gunsleben

von Peter Gehlmann

 Es war vor etwa 100 Wochen – das Dörfchen traf erste Vorbereitungen für das große Jubiläum 2012. 900 Jahre Gunsleben – da wollte ich gern dabei sein. 900 Jahre – die sind im Jubiläumsjahr sogar an manchen Gebäuden zu erkennen. Einige Beispiele: Hans Schüler in der Hauptstraße. Wenig weiter im Dorf Bruno Strebe, seines Zeichens Nachtwächter. In dem Haus befand sich auch mal die Nähstube mit Frau Olbricht und Frau Hess.